
56000 - 56400 Tagesleuchtfarben
Unter Tagesleuchtfarben versteht man fluoreszierende Farben, welche bereits durch das normale Tageslicht zum Leuchten angeregt werden. Die Bezeichnungen "Neonfarben" oder "Phosphorfarben" sind nicht richtig, da diese Pigmente weder Neon noch Phosphor enthalten.
Die chemische Struktur der Leuchtpigmente bewirkt, dass kurzwellige Strahlung (UV und blaue Lichtanteile) in längerwelliges, und damit sichtbares Licht umgewandelt wird. In der Dämmerung, wenn das Licht einen sehr grossen Blau-Anteil hat, sind diese Farben daher sehr effektiv.
Obwohl man die Tagesleuchtfarben als Signalfarben eher von Plakaten, Textmarkern oder Kleidungsstücken kennt, finden sie auch in der Kunst ihre Anwendung. Es handelt sich um organische Pigmente, welche ungiftig sind. Sie sind ohne Probleme zu Farben zu verarbeiten. Bei wässrigen Techniken sollte man vor dem Anspachteln das Pigment zunächst mit Alkohol, z.B. Isopropanol, benetzen. Bei der Herstellung von Ölfarben oder Acrylfarben genügt ein einfaches Anspachteln. Für grössere Mengen oder wenn man die Farbe in Tuben abfüllen möchte, sollte mit dem Glasläufer angerieben werden.
In Ölfarben oder Lacken kann es geschehen, dass das Bindemittel einen Teil der Strahlung absorbiert, so dass der Farbton sich zum Langwelligen hin verschiebt, d.h. wärmer wird. Das blaustichige Cyclam erscheint dann beispielsweise orange. Auch im Schwarzlicht kann sich ein Tagesleuchtpigment farblich verändern. Blau verändert sich von einem Heliogenblau-Ton zu einem Ultramarinblau-Ton, Grün bleibt fast unverändert. Zitronengelb erscheint grünlich, die Orange- und Hellrot-Töne werden kräftiger rot und erscheinen wärmer.
Alle Tagesleuchtfarben sind untereinander mischbar. Hierbei ist zu beachten, dass neben der subtraktiven Farbmischung auch das Phänomen der additiven Farbmischung auftreten kann. So wird durch Mischen aus dem blaustichigen Cyclam und dem ungefähr komplementärfarbigen Grün ein schmutziges Braun. Unter Schwarzlicht wird aus diesem Farbton jedoch ein leuchtendes Gelb.
Auch mit anderen Pigmenten sind Tagesleuchtfarben problemlos mischbar. Bei Tageslicht erhält man z.B. schöne leuchtende Weissausmischungen, im Schwarzlicht hingegen wird die Leuchtkraft erheblich gemindert.
Auf besonderen Wunsch können die Tagesleuchtfarben auch als fertige Acrylfarben geliefert werden.
Die Tagesleuchtfarben in Acryldispersion sind wasserverdünnbar und gesundheitlich unbedenklich. Bevor eine Fläche mit Farbe gestrichen wird, muss der Untergrund mit einer guten weissen Dispersionsfarbe vorgestrichen werden. Die Tagesleuchtfarbe wird gut aufgerührt und mit einem weichen Pinsel aufgestrichen. Nach ca. 8 Stunden kann, um die Deckkraft zu erhöhen, ein zweites Mal gestrichen werden. Der Verbrauch ist etwa 250 ml/qm. Um die Lebensdauer zu erhöhen, kann mit einem Überzugslack überstrichen werden. Die Pinsel sind nach Gebrauch sofort mit Wasser zu reinigen.
Technische Daten
Beschreibung:
Tagesleuchtpigmente sind organische Fluoreszenz-Farbstoffe, die in Aminoplastharzen gelöst sind.
Durch das Einbinden in diese Trägerharz werden schädigende Einflüsse, z.B. Temperatur,
Wasser und UV-Strahlung, gemindert. Auch die Dosierung ist infacher, als bei flüssigen Farbstoffen.
Tagesleuchtpigmente werden von Tageslicht sowie von künstlichen Lichtquellen zur Fluoreszenz
angeregt. Mit "blacklight"-Lampen, die UVA-Licht, abgeben, erreicht man eine extrem starke Fluoreszenz
für Spezialeffekte. Langwelliges Licht (orange, rot) eignet sich nicht für die Anregung.
Wirkungsweise:
Im Gegensatz zu "normalen", nicht fluoreszierenden Pigmenten, die das auftreffende Licht zum grössten Teil
absorbieren und nur die eigene Körperfarbe reflektieren, transformieren die Tagesleuchtpigmente
zusätzlich den kurzwelligen Anteil des auftreffenden Lichtes in die Wellenlängen (Farbe),
die es auch reflektieren.
Physikalische Eigenschaften:
| Spez. Gewicht: | 1,4 kg/ l |
| Mittlere Korngrösse: | 5 µm |
| Erweichungstemeratur: | + 140° C |
| Zersetzungstemperatur: | + 300° C |
Lichtbeständigkeit: 4
auf der "Lightfastness-Wool-Scale" von 1-8, 8=bestmöglichstes Ergebnis
Die Lichtbeständigkeit von Tagesleuchtpigmenten ist sehr stark abhängig von der Bindemittelzusammensetzung,
die Pigmentkonzentration und der aufgetragenen Schichtdicke. Für die Tests wurden die Tagesleuchtpigmente
in einem lösemittelhaltigen Acryllack eingearbeitet. Die Filmdicke (nass) betrug 38 µm.
Die Tagesleuchtpigmente wurden wie folgt getestet:
| Testgerät: | Suntest CPS+ (Heraeus) |
| Lichtquelle: | Xenonlampe 500 W |
| Filter: | UV 290 nm |
| Strahlungsleistung: | 550 W/m2 |
| Temperatur: | 55° C (kontinuierliche Luftkühlung) |
| Strahlungsdosis: | 150 MJ |
Gefährliche Inhaltsstoffe:
Die meisten Tagesleuchtpigmente enthalten, ausser Zink, keine Metallionen.
Die Farbtöne Blau und Grün enthalten Kupfer, welches fest im Farbstoff eingebaut ist.
Tagesleuchtpigmente enthalten keinerlei:
Verwendung in Spielzeugen, Fingermalfarben und Knetmassen
Die Europäische Norm EN71-3 von 1994 spezifizierte die Migration von Schwermetallen aus
Spielzeugen und Spielzeugteilen und legt Grenzwerte fest.
Die Tagesleuchtpigmente erfüllen die Anforderungen der EN 71, Teil 3 von 1994.
Verarbeitungshinweise:
Bei der Vielzahl an Lackrohstoffen und Additiven können wir hier nur grobe Richtwerte angeben.
Sie sollten ein möglichst transparentes Bindemittel verwenden. Die Beimischung von Füllstoffen
und Standardpigmenten verringert die Fluoreszenz sehr empfindlich. Auch dürften die Tagesleuchtpigmente
untereinander nur dann gemischt werden, wenn ihr Farbton nahe beieinander liegt. Zum Beispiel Zitronengelb
und Grün oder Ziegelrot und Flammrot. Jedoch niemals z.B. blaue und rote Farbtöne oder
Zitronengelb und rote Farbtöne.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Leuchtfarben, Schwarzlichtfarben und LUMOGEN-Farbstoffe.