
Leinwand, Flachsfasergewebe
Gewebe aus den Bastafsern der einjährigen, 0,6-1 m hohen, blau blühenden Leinpflanze (Linum usitatissimum, Linaceae).
Die Pflanzen werden kurz vor der Samenreife samt Wurzeln ausgerauft, auf dem Feld getrocknet, geriffelt (Beseitigung der Blätter, Seitenäste und Früchte), geröstet (Auflösung der calciumpektathaltigen Interzellularsubstanzen durch Bakterien bzw. Pilze), sodann durch Brechen, Schwingen und Hecheln vom holzigen Abfall und kurzfaserigen Flachswerg befreit.
Die so erhaltenen, spinnfertigen technischen Fasern sind grau bis lichtblond, sehr fest und geschmeidig, ihre Länge beträgt 20-140, im Mittel 50 bis 60 cm. Die Bastbündel sind 0,1-0,6 mm breit, die Einzelzellen der Bastfasern sind durchschnittlich 20-50 mm land und 15-30 µ dick. Sie bestehen aus fast reiner Cellulose und sind sehr dickwandig. Der Hohlraum ist verschwindent klein. Bei der Bleiche der fertigen Leinwände werden die Bastbündel weitgehend in die Einzelfasern zerlegt.
Die Leinwand gehört zu den hochwertigen Textilwaren. Reinleinen besteht nur aus Flachsfasern, Halbleinen aus Baumwollkette und Leinenschussfäden oder umgekehrt.
Die Ägypter haben schon seit 1400 v. Chr. Flachs angebaut, die Mumiengewänder bestehen aus Leinwand.
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