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53000 - 53210 Glimmer



Glimmer, auch mica (engl.) genannt, sind komplexe Al-K-(Mg)-Silikate.

Als Glimmer werden eine ganze Reihe alkalihaltiger Aluminiumhydrosilikate mit Schichtengitter bezeichnet (z.B. Muscovit, Serizit, Paragonit, Phlogopit, Biotit) mit wechselnden Gehalten an Kalium, Natrium, Magnesium, Eisen und Fluor. Gemeinsam ist ihnen das Schichtengitter, die Neigung elastisch biegsame Schuppen zu bilden sowie die leichte Spaltbarkeit parallel zu Schichtenebene. Je nach ihrem Eisengehalt sind sie farblos, lichtgrün, rot, braun oder sogar schwarz-braun.

Muskovit (Kaliglimmer), früher als Moskauer Glas bekannt
Formel: Al(OH,F)2(AlSi3O10), Mohshärte 2-2,5; spez. Gewicht 2,8; perlmutterartiger, silbrig metallischer Glanz (im Volksmund daher Katzensilber), in kleinen Schüppchen durchsichtig. Farblos bis leicht gelblich. Strich weiss, Bruch blättrig, Spaltbarkeit sehr vollkommen, biegsam, elastisch, hitze- und säurefest, sehr verwitterungsbeständig. Muskovit ist weit verbreitet. Kristalle selten, meist Platten mit unregelmässigem Umriss.
Fundorte: Österreich, Norwegen, UdSSR, USA, Australien.

Serizit, feinschuppige oder dichte Abart des Muskovit, seidenglänzend, gelegentlich lichtapfelgrün, dem Talk sehr ähnlich.

Glimmer-Qualitäten werden vor allem aus den Verschnittsabfällen von Plattenzuschnitten (scraps) sowie aus Flotationskonzentraten von Mineralgemengen (flakes) durch Mahlen und Windsichten bzw. Nasstrennen (Hydrozyklon) gewonnen. Bei der Aufbereitung darf die Blättchenstruktur nicht zerstört werden.

Einsatzgebiete: Nitrocellulose-Lacke, Lederlacke, Perlglanzpigmente in Glanzpigmentpasten und Kunststoffen, Autolacke, Lippenstifte, Augenschmincke, Schaumbäder (!), Nagelacke, Plexiglasindusrie, Mattierungsmittel, Papierbeschichtungen, Sieb- und Tiefdruckfarben, Einbrennlacke, Hammerschlaglacke, Hart- und Weich-PVC, Polystyrol, Polycarbonat, Polyamide, Hoch- und Niederdruckpolyäthylen, Casein (Kunsthorn), Methylacrylat-Spritzgusse, Keramik- und Glasherstellung. In der Elektrotechnik Isolierungsmaterial.

Glimmer-Qualitäten werden vor allem Korrosionsschutz-Anstrichstoffen zugesetzt, einmal weil sie beständig gegen Säuren, Alkalien und oxidierende Medien sind und die Wirkung von Inhibitorpigmenten verstärken, ausserdem weil sich die Schuppen parallel zur Filmebene orientieren und damit eine Sperrschicht mit hoher Zugfestigkeit und grosser Elastizität bilden und auch die Substrathaftung deutlich verbessern.

Weiterhin eignet sich Glimmer zum Verschneiden von Aluminiumfarben und für Beschichtungen mit hoher Hitze- und Chemikalienbeständigkeit.

 

Quelle: "Weisse Farbmittel" (2000) M.H. Bernd Hering

Glimmer werden zusammen mit den glimmerartigen Silikaten, Kaolinit, Serpentin, Talkum und Pyrophyllit zu den Tonmineralien gezählt. Sie sind zu etwa 3,5% am Aufbau der festen Erdkruste beteiligt.

Glimmer entstehen primär bei der Erstarrung des Magmas und durch pneumatolytische hydrthermale Zersetzung anderer Silikate. Sie sind in grossen Mengen in den meisten magmatischen und metamorphen Gesteinen, z.B. Glimmerschiefer, wie auch in Sedimentgesteinen wie Sandsteinen enthalten.

Glimmer werden bergmännisch meist im Tagebau gewonnen. Die groben Brocken lassen sich leicht zu dünnen, biegsamen Blättchen zermahlen und werden danach in verschiedene Teilchenverteilungen klassifiziert. Grössere Brüche werden zu Platten delaminiert und durch Zuschnitt konfektioniert. Die dabei anfallende Verschnittabfälle (scraps) werden unter Bewahrung der Blättchenstruktur, je nach gewünschter Feinheit nass in Trommelmühlen oder trocken in Dampfstrahlmühölen zu Glimmermehlen vermahlen.

Je feiner die Glimmerteilchen sind, umso grösser ist das Verhältnis von Ecken und Kanten zur Gesamtoberfläche, d. h. je feiner die Teilchen sind, umso mehr Licht wird an Ecken und Kanten gestreut. Der Glanz wird folglich verringert. Dafür nimmt aber das Deckvermögen zu.

Glimmer resorbieren UV-Strahlung. Sie werden deshalb als UV-Stabilisator eingesetzt.

Eigenschaften ausgewählter Glimmermaterialien

Glimmer Muskovit Pholgopit
Bezeichnung Muskovit
Kaliglimmer
Magnesiaglimmer
Silikathydrat von Kalium
Aluminium
Kalium
Aluminium
Magnesium
Chemische Zusammensetzung KAl2[(OH,F)2|AlSi3O10] KMg3[(OH,F)2|AlSi3O10]
Vorkommen Tafeln/Platten dünnen Tafeln
Farbe weiss gelblich bis rötlich
Glanz Perlmuttglanz Perlmuttglanz
Metallglanz
Bruch blätrig blättrig
biegsam
Schmelzbarkeit schwer schmelzbar Schmelzpunkt 1330° C

Siehe auch Fuchsit, feiner Glimmer und Muskovit Glimmer.

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