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Gips, Gipsspat, Calciumsulfat


Gips kommt in der Natur in zwei Varietäten vor, nämlich als eigentlicher Gips, welcher 2 Mol. Kristallwasser enthält, gemäss der Formel CaSO4·2H2O, und als wasserfreie Verbindung, Anhydrit genannt. Der eigentliche Gips kristallisiert monoklin, der Anhydrit rhombisch. Die mineralische Struktur des Gipses ist sehr vielseitig; in unreinem dichten Gefüge bildet er als Gipsstein mächtige Gebirgszüge, z.B. am Südrande des Harzes. Körnig kristallinisch wird er Alabaster genannt. In weit ausgedehnten Insellagern finden wir ihn als Gipsspat, Gipsglas, Marienglas, Frauenglas, Fraueneis, Selenit, Lapis specularis. In parallellaufenden kristallinischen Fasern, die oft schönen Seidenglanz zeigen, wird er auch als Stengel-, Faden-, Seiden-, Atlasgips; schuppig in lose zusammengehäuften Blättchen als Gipsblüte, Schaum- oder Schneegips bezeichnet. Als Polyhalit wird eine Varietät bezeichnet, welche mit Kalium- und Magnesiumsulfat verbunden, in den Steinsalzlagern von Strassfurt, Berchtesgaden, Ischl vorkamen/vorkommen. Neben den genannten Fundstellen im Harz findet sich Gips in Thüringen, Franken, Württemberg, Russland, Kur- und Livland, Amerika, Neuschottland, Italien usw. teilweise in ganz bedeutenden Lagern.

Der reinweisse gemahlene ungebrannte wasserhaltige Gips ist je nach Reinheit und Feinheit unter der Bezeichnung Leichtspat, Lenzin und Federweiss im Handel; totgeglüht führt der gemahlene Gips den Namen Annalin.
Die Aufarbeitung des Gipses besteht im aussortieren von Verunreinigungen und dem Feinmahlen.

Verwendung:
Als Leichtspat und Annalin findet der Gips in der Farbenfabrikation als Füllstoff Verwendung. Zahlreiche Farben für Anstrich und Dekorationsmalerei, z.B. Bleichromate, Ultramarin, Bremerblau, Chromgrün, die roten und gelben Erdfarben, Manganbraun, Farblacke usw., erhalten davon oft mehr oder minder reichliche Zusätze, welche, ohne die Farbtöne wesentlich zu beeinträchtigen,zu billigeren Produkten führen. Es ist selbstverständlich Voraussetzung, dass für diese Zwecke nur feinst vermahlenes Material verwendet wird, und dass die Herstellung der Farbe, z.B. das Ausfällen von Chromgelb, Farblacken usw., möglichst in Gegenwart des Gipses stattfindet. Denn im Falle einer mechanischen Zumischung oder Verwendung groben Materials würde man die Gipskörnchen durch die Lupe erkennen können oder beim Aufstrich mit dem Messer als weisse Streifen wahrnehmen. Dieser Verschnitt hat Malerfarben stark in Verruf gebracht. Gute Qualitäten sind frei von solchen Zusätzen.

Gipsarten in Abhängigkeit von der Brenntemperatur:
107 - 180° C: Modellgips, Formgips
Verwendung: Formen für keramische Arbeiten Bildhauerarbeiten
107 - 300° C: Stuckgips, Drehofengips, Kesselgips
Verwendung: Stuckarbeiten, Gipsdielen, Wand- und Deckenputz, Zusatz zum Kalkmörtel
107 - 700° C: Baugips, Ofengips
Verwendung: Wand- und Deckenputz
800 - 1000° C: Estrichgips
Verwendung: Unterboden, Estrich, Wandputz

Lenzin: Ist ungebrannter Naturgips

Alabastergips: Ist aus Alabaster gebrannt und ist dadurch von primärer Kristallinität und erhärtet besonders hart und durchscheinend.

Marienglas: Ist blättchenförmiger kristalliner, ungebrannter Gips

Scaliogla: Ist eine Gipsmischung, welche langsam erhärtet und eine harte kristallinische Oberflächenschicht bildet, darunter langsam aushärtet

Normaler Gips: Lenzin gebrannt

Annaline: Ist so hoch gebrannter Gips, dass er nicht mehr abbindet, totgebrannter Gips. Verwendung als Füllstoff in Ölfarben