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Bitumen



Bitumen sind die bei der schonenden Aufbereitung von Erdöl gewonnenen, dunkelfarbigen, halbfesten bis springharten, schmelzbaren, hochmolekularen Kohlenwasserstoffgemische und die in Schwefelkohlenstoff löslichen Anteile der natürlichen Asphalte, so wie Erdwachs und Montanwachs.

Der genaue chemische Aufbau von Bitumen konnte bis heute nicht vollständig bestimmt werden. Die petrochemische Forschung definiert die Substanz daher in der Regel in stark vereinfachender Weise als ein Gemisch aus zahlreichen hochmolekularen, organischen Verbindungen, die sich in ihrer Struktur stark ähneln und deshalb nur schwer voneinander zu unterscheiden sind. Infolge ihrer eng verwandten Entstehung werden die natürlichen und die technischen Bitumen bisher als weitgehend identisch angesehen, auch wenn die technischen Bitumen durch ihre weitere Aufbereitung und die damit verbundenen thermischen Prozesse gewisse Unterschiede in der Zusammensetzung und damit auch in ihren Eigenschaften aufweisen können. Bitumen enthält hauptsächlich paraffinische, zyklische und aromatische Kohlenwasserstoffe. Die im Bitumen enthaltenen Komponenten, die sich aus diesen Verbindungen, Elementen und Atomen zusammensetzen, werden in mehrere Fraktionen eingeteilt: Gasöle, Harze (Erdölharz, Asphaltharze), Asphaltene, Carbene und Carboide, wobei die Grenzen zwischen den Fraktionen fliessend sind. Bitumen wird häufig als Synonym für Asphalt verwendet. Dabei verläuft die Entwicklung in den einzelnen Sprachgebieten unterschiedlich. Während in den romanischen Sprachbereichen in der Tradition des lateinischen Wortes bitumen die Begriffe betún, bitume und bitume de Judée schon im 16. Jahrhundert gebräuchlich sind, scheint Bitumen in der englisch- und deutschsprachigen Literatur erst ab der Mitte des 19. Jahrhunderts aufzukommen. Aus dem unmittelbaren Zusammenhang innerhalb der Texte wird ersichtlich, dass die Verfasser der maltechnischen Manuskripte und Malerbücher bis weit in das 20. Jahrhundert hinein mit Bitumen und Asphalt fast ausnahmslos dasselbe Material meinen. Nichtsdestotrotz bringt die Verwendung der beiden Begriffe innerhalb der maltechnischen Technologie des 18. und 19. Jahrhunderts einige Verwirrung mit sich.

Für den einen ist Bitumen gleichbedeutend mit Asphalt, für den anderen wiederum ist Bitumen eine "neue, gleichsam, verbesserte Asphaltsorte, welche härter auftrocknet als der gewöhnliche Asphalt", und der dritte schliesslich hält Bitumen für eine aus Mumie gewonnene Farbe.

Bitumen kann aber auch der Handelsname für gebrauchsfertige Asphaltfarbe sein oder die Bezeichnung für eine Mischung aus Asphalt und Trockenöl. Auch in der neueren maltechnischen Literatur wird zwischen den Begriffen Asphalt und Bitumen beliebig gewechselt. Dabei entsteht allerdings der Eindruck, dass es sich eher um einen schriftstellerisch geschickten Schachzug handelt, durch den Wiederholungen vermieden und der Text aufgelockert werden sollen, als um eine bewusste Differenzierung. Weit verbreitet ist auch die Meinung. Bitumen sei der lateinische Begriff, Asphalt der griechische für dasselbe Material. Da aber der tatsächliche etymologische Ursprung der Begriffe bis heute noch nicht eindeutig belegt werden konnte, soll diese Frage zur Vermeidung unnötiger Verwirrung an dieser Stelle bewusst ausser acht gelassen werden.

Erst in den letzten 10 bis 15 Jahren ist die Suche nach einer korrekteren Definition des Begriffes Bitumen - parallel zur verstärkten Asphaltforschung - intensiviert worden. In weiten Kreisen fungieren Asphalt und Bitumen zwar immer noch als eine Art Oberbegriff mit Stellvertreterfunktion. Dennoch hat sich in den letzten Jahren die Bezeichnung "bituminös" für alle tiefbraunen, in verhältnismässig schwachen, unpolaren Lösemittlen löslichen Malschichten eingebürgert, die noch nicht näher identifiziert sind und für diejenigen Schadensbilder verantwortlich gemacht werden, deren Entstehung bislang mit Asphalt assoziiert wird. Die Forschung trägt damit der Annahme Rechnung, dass Asphalt nicht das einzige Farbmittel ist, das Bitumen enthält und Frühschwundrisse, Borken, Runzeln oder das Nachdunkeln von Bildschichten hervorrufen kann.

Zu den sog. "bitumiösen" Farbmitteln werden infolgedessen auch die aus Braunkohle hergestellten Pigmente (Kasslerbraun, Kölner Erde etc.) und die Teere und Teerpeche aus Holz, Torf, Braun- und Steinkohle gezählt.

Leider hat es die kunsstechnische Literatur bislang versäumt, ihre Terminologie an dieser Stelle von Grund auf zu überdenken, und bezeichnet in Anlehnung an die naturwissenschaftliche Nomenklatur Kohlen, Teere und Teerpeche weiterhin als "bituminös". Die damit verbundene Problematik wurde bereits angesprochen. Der Begriff "bituminös" erweckt in der fachfremden Leserschaft den Eindruck, dass derartige Stoffe auch faktisch Bitumen enthalten. Tatsächlich aber charakterisiert die entsprechende DIN-Norm mit "bituminös" all diejenigen Stoffe, die zu einem beliebigen Prozentsatz Bitumen, Teer und/oder Teerpech enthalten und lediglich die dem Bitumen eigenen Eigenschaften aufweisen.

Da aber noch nicht eindeutig festgestellt wurde, ob die fossilen Brennstoffe und ihre Teere und Teerpeche Bitumen enthalten, und da die naturwissenschaftliche Terminologie mit dem Begriff Bitumen eindeutig petrochemische Produkte bezeichnet, sollte die Terminologie in Zukunft differenzierter werden und nur diejenigen Materialien "bituminös" bezeichnen, in denen nicht nur Bitumen zweifelsfrei nachgewiesen wurde, sondern deren Verhalten auch eindeutig von ihrem hohen Gehalt an Bitumen abhängig ist.

Einfacher und unmissverständlicher wäre allerdings, in Zukunft einfach von "bitumenhaltigen" Farbmitteln zu sprechen und das Wort " bituminös" ganz zu vermeiden.

Zur Materialgeschichte
Aus der Sicht der aktuellen kunsstechnischen Forschung stellt Bitumen eine grosse Gruppe leicht brennbarer, organischer Substanzen dar, die aus nicht fest definierbaren Gemischen hochmolekularer Kohlenwasserstoffe bestehen. Wie Asphalt wird auch Bitumen als ein Verdunstungsrückstand von Erdöl begriffen, allerdings sei es fettiger und ohne anorganische oder mineralische Bestandteile. Bitumen komme entweder natürlich vor oder werde bei der technischen Destillation von Erdöl gewonnen. Je nach Herkunftsort beziehungsweise Herstellungstechnik besitze das Bitumen eine veränderte Zusammensetzung und damit unterschiedliche Eigenschaften.

In nahezu allen Traktaten und Publikationen, die für diese Arbeit untersucht wurden, wird Bitumen als Synonym für Asphalt verwendet. Nur selten steht es als Überbegriff für eine eigenständige Materialgruppe. Die französische Literatur des 18. und 19. Jahrhunderts kennt beispielsweise die Einteilung der Firnisrohstoffe in Gummen, Harze und Bitumen, zu dem neben Asphalt auch die Kölnische Erde, Van-Dyck-Braun und Bernstein gezählt werden. Zusätzlich finden sich in der Literatur einige seltene Beispiele, die belegen, dass Bitumen auch für vollkommen andere Werkstoffe stehen kann, die nichts mit Asphalt zu tun haben. Wie bei Asphalt muss deshalb bei der Interpretation maltechnischer Quellen stets auf die weitere Beschreibung des Materials geachtet werden.

In seinem Aufsatz über die Buchmalerei aus dem Jahr 1988 erwähnt Heinz Roosen-Runge beispielsweise ein Rezept aus einer deutschen Handschrift des späteren 15. Jahrhunderts, in dem mit Bitumen ein wässriges Bindemittel für die Buchmalerei bezeichnet wird, hergestellt aus dem Gemisch aus Fischleim und Hasenleim. Anscheinend war dies eine gängige Bezeichnung für eine derartige Bindemittelmischung, denn auch in dem Neapeler Manuskript aus dem 14. Jahrhundert und bei Boltz von Ruffach (1549) findet sich ein entsprechender Passus. Ein anderes Beispiel nennt Zahira Veliz in ihrer Sammlung spanischer und portugiesischer Maltraktate des 16. und 17. Jahrhunderts: aus einem portugiesischen Manuskript von 1615 stammt die Anleitung für eine Bitumin genannte Füllmasse für Marqueteren, die dem Rezept zufolge aus rotem Lack und Kolophonium mit Pigmentzugabe besteht.

Siehe auch Kasslerbraun.

Quelle: "Der größte Kehricht aller Farben?" (1999) von Catarina Bothe