
63010 Hautleim
Hautleim ist, wie Knochenleim auch, klassischer Glutin-Warmleim, reines Naturprodukt und wird in trockener Würfel- oder Graupenform sowie gemahlen geliefert. Die wichtigsten Qualitätsparameter sind Gelelastizität (Bloomgram) und Viskosität.
Herstellung
Hautleim wird aus Kollagen, dem Bindegewebe der tierischen Haut, in Form seiner Handelsprodukte
Hautabschnitte und Hautspalte hergestellt. Nach einer Weiche und Wäsche und einem langfristigen
Aufschluss in Kalkmilch wird das neutral gewaschene Material fraktioniert ausgeschmolzen
(thermische Hydrolyse), die dabei erhaltenen Leimlösungen separiert, filtriert und unter Vakuum
konzentriert. Die nunmehr hochviskosen Leimlösungen werden durch Kühlung in eine feste
Gallerte überführt, mechanisch zerkleinert und getrocknet.
Auflösung
Hautleim, der je nach Verwendungszweck in 2- bis 50%igen Lösungen verwendet wird,
ist zunächst klumpenfrei in kaltes Wasser einzurühren, wo er quillt ohne in
Lösung zu gehen. Nach vollständiger Quellung, die je nach Teilchengrösse
20-60 Minuten, bei grober Würfelform auch längere Zeit erfordert, tritt durch
Erwärmen auf ca. 60° C sofortige Lösung (Schmelze) ein. Die Erwärmung
kann durch indirektes Aufheizen im Wasserbad oder auch durch direktes Einblasen von Dampf
(Kondensatmenge beachten) erfolgen. Zur Herstellung nicht so hoch konzentrierter Lösungen
kann man die Wassermenge teilen und die eine Hälfte kalt vorlegen, den Leim einrühren
und die andere Hälfte nach erfolgter Quellung kochend zuführen. Es ist jedoch auch
möglich, Hautleim unter Rührwerksarbeit direkt in sehr heisses Wasser (85° C)
einzurühren und bis zur vollständigen Lösung weiterrühren. Dieses
Verfahren ist besonders für hochkonzentrierte Leimlösungen bei Verwendung grober Körnungen
geeignet. Die Verarbeitungstemperatur wird mit 60° C empfohlen.
Reaktion
Die Lösungen von Hautleim sind neutral und schaumarm. Die Viskosität ist - bei der
gegebener Qualität - eine Funktion von Konzentration und Temperatur. Hautleim ergibt
nicht-thermoplastische und nicht alternde Leimschichten von hoher Elastizität, Härte und Kerbschlagzähigkeit.
Eigenschaften
Hautleim ist, chemisch gesehen, partiell hydrolisiertes Kollagen, bildet kolloidale Lösungen
und trägt als Makromolekül zahlreiche funktionelle Gruppen, die amphoteren
Charakter bedingen.
Hautleim-Lösungen besitzen hohe Schutzkolloidwirkung und zeigen die typische
Eigenschaft der Sol-Gel-Umwandlung. Die Klebstoffwirkung ist daher zweistufig:
Verwendung
Hautleim wird vielseitig als Klebstoff für Papier, Pappe, Holz, etc. für
Gummierungen und Beschichtungen, zur Buchdeckenfertigung, Instrumenten- und Etuifabrikation,
zur Polimentbindung sowie aufgrund seiner hohen Schutzkolloidwirkung zur Herstellung von Textil-
und Färbereihilfsmitteln verwendet.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Leime,
und Rezepte unter : Leimfarbe für Wände (Innenbereich),
Leim für Abgusszwecke,
Rezept für Leimlösung.
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