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63000 Knochenleim, klassischer Glutin-Warmleim



Aussehen helle, gelbbraune Graupen oder Griess mit schwachem typischen Eigengeruch
Chemische Bezeichnung Glutinleim - partiell hydrolisiertes Kollagen aus Knochen (tierisches Bindegewebseiweiss) einheitliche Substanz
Gefahrenklasse Knochenleim ist kein Gefahrengut - keine imco-Klasse
Reaktion Bei Knochenleim handelt es sich um hochmolehulare Eiweissstoffe, die eine Vielzahl reaktiver Gruppen sauren und basichen Charakters tragen, die den amphoteren Charakter bedingen.
Knochenleim reagiert schwach sauer bis neutral und besitzt eine hohe Schutzkolloidwirkung.
Er reizt weder Haut noch Schleimhäute.
Lagerung Knochenleim ist bei trockener Lagerung nahezu unbegrenzt haltbar. Er nimmt jedoch als organisches Makromolekül Gerüche an, worauf bei der Lagerung zu achten ist.
Als Kollagen wird er durch Gerbstoffe, auch gasförmige wie Formaldehyd gehärtet, wodurch Quellung und Lösung beeinträchtigt werden. Knochenleim ist deshalb bei der Lagerung von allen gerbenden Substanzen insonderheit Aldehyden fernzuhalten.
Brennbarkeit Trockener Knochenleim ist schwer entflammbar. Beim Erhitzen tritt Verkohlung und Verbrennung unter Rauchentwicklung ein.
Herstellung Knochenleim wird aus frischen, entfetteten Schlachthausknochen durch thermische Hydrolyse und Heisswasserextraktionen hergestellt. Die dabei erhaltenen Leimbrühen werden gereinigt, in mehrstufigen Vakuumverdampfern schonend konzentriert, durch Abkühlen in die feste Gelform überführt, zerkleinert und getrocknet.
Auflösung Knochenleim, der je nach Verwendungszweck in 2 bis 50%igen Lösungen verwendet wird, ist zunächst klumpenfrei in kaltes Wasser einzurühren, wo er quillt ohne in Lösung zu gehen. Nach vollständiger Quellung, die je nach Teilchengrösse wenige Minuten bis eine Stunde, bei Perlleim über Nacht, erfordert, tritt durch Erwärmen auf ca. 60° C sofortige Lösung (Schmelze) ein.
Die Erwärmung kann durch indirektes Aufheizen im Wasserbad oder auch durch direktes Einblasen von Dampf (Kondensatmenge berücksichtigen!) erfolgen. Zur Herstellung nicht so hoch konzentrierter Lösungen kann man die Wassermenge teilen und die eine Hälfte vorlegen, den Leim einrühren und die andere Hälfte nach erfolgter Quellung zufügen. Es ist jedoch auch möglich, Knochenleim unter Rührwerksarbeit direkt in sehr heisses Wasser (85° C) einzurühren und bis zur vollständigen Lösung weiterzurühren. Dieses Verfahren ist besonders für hochkonzentrierte Leimlösungen bei Verwendung grober Körnungen geeignet.
Die Verarbeitungstemperatur wird mit 60° C empfohlen.
Reaktion Die Lösung von Knochenleim ist neutral und schaumarm. Die Viskosität ist - bei gegebener Qualität - eine Funktion von Konzentration und Temperatur.
Knochenleim ergibt nicht - thermoplastische und nicht alternde Leimschichten von hoher Elastizität, Härte und Kerbschlagzähigkeit.
Eigenschaften Knochenleim ist, chemisch gesehen, partiell hydrolysiertes Kollagen und trägt als Makromolekül zahlreiche funktionelle Gruppen, die amphoteren Charakter bedingen. Knochenleim-Lösungen besitzen hohe Schutzkolloidwirkung und zeigen die typische Erscheinung der Sol-Gel-Umwandlung.
Die Klebstoffwirkung ist daher zweistufig:
  1. als Schmelzkleber mit hoher Anfangshaftung
  2. als Eiweisskleber ausserordentlicher Festigkeit
Knochenleim ist durch gerbend wirkende Substanzen, vornehmlich Formaldehyd, wasserfest härtbar; durch Zusatz von mehrwertigen Alkoholen oder Zuckern, vornehmlich Glycerin lässt sich die feste Struktur bis zu gummielastischem Verhalten modifizieren.
Verwendung Knochenleim findet mannigfache Verwendung als Klebstoff für Papier, Pappe, Holz, Filz und Stoff, für Gummierungen und Beschichtungen, als Hülsenkleber in der Kartonagenindustrie, in der Buchbinderei, Instrumenten- u. Etuifabrikation, zur Restaurierung von Bilderrahmen, für Vergoldungen, zum Leimen von Farbpigmenten, für Appreturen und vieles andere mehr, sowie aufgrund seiner hohen Schutzkolloidwirkung zur Herstellung von Textil- u. Färbereihilfsmitteln, Emulsionen und waschaktiven Substanzen und als Glanzmittel in galvanischen Bädern etc.
Siehe auch allgemeine Informationen zu Leime, und Rezepte unter : Leimfarbe für Wände (Innenbereich), Leim für Abgusszwecke, Rezept für Leimlösung.


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