
62200 & 62210 Bienenwachs
Ein Ausscheidungsprodukt aus den Wachsdrüsen der Bienen, welches beim Erkalten rasch erhärtet und als Baumaterial für die Waben dient, ist seit alters auch vom Menschen für vielerlei Zwecke benutzt worden. Inder Malerei wird nicht nur die eigenartige Enkaustiktechnik massgeblich darauf aufgebaut, sondern es gibt zahlreiche Fälle, wo Wachs in Pastenform, sei es nur als Zusatzmittel, sei es als selbständiger Überzug, ausserordentlich geschätzt wird.
Gewöhnlich ist es Unkenntnis hinsichtlich der nach Herkunft und Gewinnung sehr unterschiedlich
anzutreffenden Sorten, wenn die Wirkung von Bienenwachs hin und wieder enttäuscht.
Man muss daher dessen Ursprung etwas nachgehen. Man findet gelegentlich Angaben, das Wachs von
Jungfernbienen sei das beste. Jungfernbienen gibt es nicht. Gemeint ist mit dieser Bezeichnung ein von den
Bienen frisch produziertes Wachs in noch ursprünglichem Zustand und noch, bevor es seitens der Bienen
mit einem Chrysinüberzug versehen worden ist und aus unbebrüteten Waben stammt.
Ein solches Wachs vom frischen Wabenbau sieht fast reinweiss aus und vergilbt beim Altern fast gar nicht.
Wenn Waben mehrfach bebrütet worden sind oder wiederholt als Honiglager gedient haben, nehmen sie mit der
Zeit eine immer gelblichere Färbung an, bis diese schliesslich in ein schmutziges Braun übergeht.
Beim europäischen wie beim australischen Bienenzüchter, welche aus Gründen der Rationalisierung
die Rahmenbauweise in "Beuten" bevorzugen, fällt nur wenig frisches Wachs an; denn man gibt den Bienen
möglichst lange ihre alten, mühsam gebauten Waben zur Weiterbenutzung zurück. Erst wenn sie schmutziggelb
und dunkel geworden sind, schmilzt sie der Imker zusammen. Dabei darf das Wachs, dessen Schmelzpunkt
zwischen 60° und 65° C liegt, nicht wesentlich höher erhitzt werden.
Nach der alten Sitte geschieht das teilweise heute noch in sogenannten Wachsausschmelzkästen. Das sind flache Holzkisten, aufklappbar mit Glas abgedeckt und schräg jeder auf einem Pfahl drehbar montiert, so dass die Sonne günstig auf die darin ausgelegten Waben einwirken kann. In einem am unteren Ende abgeteilten Fach sammelt sich das sehr langsam schmelzende Wachs und wird nach dem Erkalten dort entnommen. Es sieht dann gelbgrau bis dunkelgelb aus. So bekommt man es vom Imker. In den Wachsfabriken wird es nochmals geschmolzen und ausgewaschen.
Wachs ist an sich geruchlos. Was der Laie als typischen Wachsgeruch anspricht, sind Reste von Chrysin und Propolis, einem dunkelbraunen Kittharz, das die Bienen zum Bau mitbenötigen. Solches gelbes Rohwachs hat in weichem Zustand bei gelinder Erwärmung gewisse Klebekraft. Der Restaurator erhöht diese noch durch Zuschmelzen von Kolophonium und benötigt diese Masse beim heissen Doublierverfahren oder zum Niederlegen aufgestandener Farbschichten an Gemälden und Skulpturen. Den Maler stören die Chrysin- und Propolisreste infolge der mitunter stark gelben und dunklen Eigenfarbe und die verhältnismässig geringe Härte des gelben Rohwachses. Er zieht eine möglichst helle Ware vor. Diese kann auf verschiedene Weisen erhalten werden.
In der Praxis ist man vor allem auf gebleichte Wachssorten angewiesen. Früher beschränkte man sich auf die natürliche Sonnenbleiche, indem ein schon möglichst helles Ausgangsmaterial, in dünner Schicht ausgegossen, längere Zeit der Sonne ausgesetzt wurde. Unter Glasschutz dauert der Bleichvorgang 4-5mal länger. Die Wachsfabriken sind heute vorwiegend zu chemischen Bleichverfahren übergegangen durch Kochen mit sulfithaltigem Wasser, dem so lange Chlorklaklösung zugestezt wird, bis das Wachs entfärbt ist.
Rezept für Wachssalbe
1 Gewichtsteil Bienenwachs, gebleicht
2 Gewichtsteile Terpentinöl
Das Wachs wird in Terpentinöl eingestreut und im Wasserbad nur gelinde erwärmt, bis sich das Wachs restlos gelöst hat. Das Wasserbad muss möglichst geräumig sein, um ein Herrausspritzen von Terpentinöl auf die Heizplatte oder in eine offene Gasflamme zu vermeiden; denn die Feuergefahr ist hierbei ziemlich gross und brennendes Wachs schwer zu löschen.
Rezept für gehärtete Wachssalbe
2 Gewichtsteile Bienenwchas, gebleicht
1 Gewichtsteil Carnaubawachs, gebleicht
6 Gewichtsteile Terpentinöl
Das Bienenwachs wird zunächst nur in die halbe Menge des Terpentinöls eingestreut und im Wasserbad gelöst. Das Carnaubawachs wird in der anderen Hälfte der Terpentinölmenge ebenfalls im Wasserbad zur Lösung gebracht. Beide Lösungen werden zusammengeschüttet, innig verrührt und auch während des Erkaltens mehrfach nachgerührt.
Quelle: "Werkstoffe und Techniken der Malerei" (1967) von Kurt Wehlte
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