
58340 Alabastergips, ungebrannt
Man versteht darunter zwei verschiedene, für bildende Kunst und Architektur wichtige Gesteine, nämlich 1. einen feinkörnigen, marmorartigen, weissen, durchscheinenden Gips (CaSO4·2H2O), und 2. eine faserige Marmorart. Dieser Alabaster-Marmor besteht also chemisch aus kohlensaurem Kalk, CaCO3. Unser Alabastergips ist feinkörnig, reiweiss und stammt aus einem Gipswerk in der Lombardei, Italien.
Der Alabastergips eignet sich infolge seiner Wasserlöslichkeit nur für regensichere Innenräume, Alabaster-Marmor wird von Wasser sehr viel weniger angegriffen. Alabastergips lässt sich mit dem Fingernagel ritzen und mit dem Messer schnitzen. Alabaster-Marmor braust mit Salzsäure auf, Alabastergips bleibt unverändert.
Alabaster aus Volterra
Der Alabaster besteht aus einem mineralreichen Gips und wird im Tagabbau in unterirdischen Gruben gewonnen. Die beiden Gruben von Volterra besitzen ein Netz von Gängen, das mehr als 25 Kilometer messen soll. Hier wird die beste Alabasterqualität gebrochen: rein, opalbleich, fast durchsichtig, leicht gestreift wie Onyx, selten von dunklen Adern durchgezogen.
Der hell leuchtende Alabasterstein faszinierte bereits vor über 2500 Jahren die Etrusker. Schon damals wurde in Volterra Alabaster abgebaut und kunstvolle Urnen und edle Gefässe aus diesem weisssamtigen Stein geformt. Geschichte und Kultur dieser Stadt sind eng mit dem Alabasterkunsthandwerk verbunden. Im Jahre 260 nach Christus unterwarf sich Velathri, eine der wichtigsten Sädte Etruriens, den Römern. Es erhielt den Namen Volterrra und blieb weiterhin bedeutend, wie das römische Amphitheater zeigt.
Alabasterkunst aus Meisterhand.
Das Mittelalter aber sah Volterra von internen Machtkämpfen zwischen kirchlichen
und weltlichen Herrschern erschüttert. Die Renaissance erlebte immer wieder rebellierende
Volterraner gegen die Medici, was wenig fruchtete: Mit der Herrschaft des Grossherzogs der Toskana
im Mittelalter begann jedoch der unaufhaltsame Verfall der Stadt bis ins ausgehende 18. Jahrhundert.
Auch die Wiederaufnahme des Alabastersgewerbe im 16. Jahrhundert verhalf Volterra zu keinem besonderen
Aufschwung, sondern diente lediglich künstlerischen Zwecken. Trotzdem wuchs die Zahl der
Alabasterwerkstätten an.
Im 19.Jahrhundert erlahmte die Produktion wieder. Europa hatte andere Sorgen, Frankreich und Preussen, damals zwei wichtige Kunden, bekriegten sich. Das 20. Jahrhundert brachte technische Erneuerungen und damit die erneute Wiederbelebung der traditionsreichen Alabasterindustrie in Volterra. Die arbeitserleichternde Drehscheibe hielt Einzug in die Werkstätten. Nach den zwei Weltkriegen hat sich die Produktion wieder mehr auf künstlerische Arbeiten verlegt: Souveniers, Schmuck, Kopien alter Kunstwerke, Alabasterblumen und -früchte, Vasen, Lampenfüsse oder Rahmen. Das sind Mitbringsel mit Tradition. Und auch die Zukunft ist gesichert: Die Alabasterschule kann sich über Nachwuchsmangel nicht beklagen.