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52200 - 52400 Lasurpigmente



Die Tönungen dieser ab etwa 1970 verfügbaren Pigmentgruppe bewegen sich im Wesentlichen parallel zu denen der Oxidgelb-, -orange- und -rottöne.

Auch die chemische Zusammensetzung ist im Prinzip mit denen der herkömmmmlichen Eisenoxidpigmente identisch. Ein besonderes Herstellungsverfahren, "Mikronisierung" genannt, macht es möglich, Eisenoxide von kolloiddisperser Teilchengrösse herzustellen. Schwankt die Partikelgrösse für herkömmliche Pigmente zwischen 0,1 µ und 50 µ (1 µ = 0,001 mm), wird hier bereits der kolloide Bereich, der ein Zwischenstadium zwischen Löslichkeit und Nicht-Löslichkeit darstellt, erreicht. Unter Umständen können kolloide Partikel nur noch von einem Elektronenmikroskop sichtbar gemacht werden, handelt es sich um Teilchen von < 0,1 µ! Die extreme Teilchenfeinheit bedingt eine ungewöhnlich hohe Lasurfähigkeit. Diese Pigmente sind absolut lichtecht, auch in dünnstem Farbauftrag, ferner sind die Eisenoxidlasurtöne temperaturstabil bis 160° C sowie mit allen Pigmenten verträglich und völlig ungiftig. Die Wetterbeständigkeit der Lasurpigmente ist nicht sonderlich gut. Pigmente mit kleinen Teilchen tendieren eher zum Kreiden als solche mit grossen Partikeln, wobei sich jedoch eher das Bindemittel verändert als das Pigment selber.

Die Pigmente sind im Prinzip für alle Techniken geeignet, jedoch sollte man sich vor Augen führen, dass es sich um ausgesprochene Lasurpigmente handelt. Vorsicht ist allerdings in stark sauren Medien gegeben, was auch für die anderen Eisenoxidpigmente gilt, da die Oxide unter Bildung der entsprechenden Salze gelöst werden können. Verwendet man die Farbe als abschliessende Lasur, z.B. in Mischtechniken, so ist das die sinnvollste Anwendung. Eine Verwendung als Untergrundfarbe kann nicht unbedingt empfohlen werden, da aufgrund der extremen Kornfeinheit ein Durchwandern des Pigmentes durch darüberliegende Farbschichten nicht ausgeschlossen werden kann. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge weiterer sinnvoller Anwendungsbereiche für die Lasuroxidpigmente. In Mischung mit den perlmuttrig-glimmerartigen Perlglanzpigmenten lassen sich interessante Metalleffekte erzielen, als Zusatz zu Schellack kann man gold-, messing- oder kupferfarbige Wirkung bei Lasur auf Blattsilber oder Schlagmetall erreichen. Mit Lein- und Terpentinöl verdünnt ist es möglich, unterschiedliche Maserungseffekte auf einfarbigen Untergründen zu imitieren.

Als Tubenölfarbe sind die Lasurpigmente fertig erhältlich. Ausserdem finden sie inzwischen umfangreiche Verwendung als Schönungszusatz zu lasierenden oder halblasierenden Naturerdfarben, wie z.B. Siena natur oder Siena gebrannt. Allerdings werfen diese Pigmente bei der Selberverarbeitung zu Farbe erhebliche Probleme auf. Die aussergewöhnliche Kornfeinheit bedingt zum Einen einen sehr hohen Bindemittelbedarf, zum anderen aber, und das stellt das eigentliche Problem dar, ist das Anreiben aufgrund der Feinheit äusserst langwierig und mühsam. Ein bei organischen Pigmenten erfolgreiches Benetzen mit Alkohol ist hier unmöglich! Die Pigmente haben aufgrund ihrer anorganischen Beschaffenheit eine grosse Affinität zu wässrigen Medien, was das Anreiben von Wasserfarben, auch Dispersionsfarben, einfacher macht als die Herstellung von Ölfarbe. In jedem Fall gilt: möglichst kleine Mengen im Pozellanmörser anreiben. Zuerst wirkt der Ton der Farbpaste ziemlich unsauber, je weiter aber der Reibevorgang fortgesetzt wird, umso mehr kommen die brillanten Farbtöne zur Geltung. Bei wässrigen Farbsystemen ist es empfehlenswert, zunächst nur mit Wasser, dem man gegebenenfalls etwas Ochsengalle als Netzmittel zusetzt, in der Schale anzureiben. Ein Anreiben mit dem Glasläufer ist zwecklos! Erst wenn das Pigment weitestgehend aufgeschlossen ist, sollte das eigentliche Bindemittel zugesetzt werden. Interessant ist die Tatsache, dass fertige Lasuroxidfarbe einen typischen Geruch aufweist, der an lackartige Anstrichmittel erinnert. In jüngster Zeit wird nunmehr eine orange-rote Lasuroxidtönung angeboten, die leichter benetzbar ist.

Die geringe Teilchengrösse der Lasurpigmente wird auch in der Lackherstellung ausgenutzt, da sie sich positiv auf die Glanzgebung auswirkt. Zusätzlich bewirkt die geringe Teilchengrösse, dass durch Sedimentation bedingte Farbveränderungen minimal gehalten werden können.

 



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