
47000 & 47010 Rebschwarz, Pflanzenschwarz, Frankfurterschwarz PBk 10
Chemische Zusammensetzung : C
Schwarze, wasserunlösliche Malerfarbe, die durch trockene Destillation von Pflanzenabfällen (z.B. Trestern, Rinde, Kastanien usw.) erhalten wird, besteht aus Kohlenstoff, unlösl. Kohlenstoffverb. und Aschenbestandteilen.
Rebschwarz kann mit Öllack, Leimlösung oder Spritlack angerührt werden.
Im Vergleich zu den tierischen Verkohlungsprodukten weist Rebschwarz einen dunkel-anthrazitfarbenen Ton auf und neigt bei Weissausmischungen ehre zu einem leichten Blaustich.
Ursprünglich wurden bei dem echtem Rebschwarz (engl. vine black) Abfälle von Weinreben unter Luftabschluss verköhlert, jedoch
waren auch andere holzige Pflanzenabfälle üblich, so dass physiologisch kein Unterschied zum Holzkohlenschwarz (engl. etwas präziser "charcoal grey") besteht.
Gute Sorten sollten durch Auswaschen von Salz befreit sein, as sonst zu technischen Komplikationen führen könnte.
Ich bin im Besitz einer Rebschwarzsorte, welche nach dem Benetzen mit Wasser einen leichten Geruch von faulen Eiern
entwickelt! Das ist auf einen beim Verkohlen auftretenden chemischen Reduktionsprozess zurückzuführen, bei dem aus
den natürliche im Ausgangsmaterial enthaltenen Salzen Alkali- Calciumsulfid in geringsten Mengen entsteht, welches in
Verbindung mit Wasser Schwefelwasserstoff entwickelt. In der Praxis habe ich jedoch keinerlei nachteilige Folgen feststellen können.
Rebschwarz ist heute sehr selten in Farbsortimenten anzutreffen. Meines Wissens bietet nur die englische Firma Winsor & Newton sowohl in Öl als auch in Aquerell "charcoal grey" an. Von den tierischen Schwärzen unterscheidet es sich durch etwas höhere Transparenz und geringere Farbtonschwere. Aufträge auf Papier lassen gegen eine Lampe gehalten deutlich Licht durchfallen. Im Gegensatz zum Elfenbein- oder Beinschwarz wird Rebschwarz, sofern ausgewaschen und von Salzen befreit, auch für die unterschiedlichen Wandmaltechniken verwendet! Das Anreiben von Ölfarbe aus Rebschwarz erfordert grosse Sorgfalt und man fühlt die Kohlepartikelchen deutlich unter dem Glasläufer. Es dauert eine ganze Weile, bis die Farbpaste einen gleichmässigen Glanz angenommen hat, was besagt, dass eine optimale Sättigung mit Öl, am besten verwendet man Leinöl, vorliegt. Harz- und Sikkativzusatz sind hier sinnvoll um bessere Tiefenwirkung und schnellere Trocknung zu bewirken. Bei Mischung mit anderen Farben hat man jedoch häufig das Problem, dass die Kohlenstoffpartikelchen oben schwimmen. Durch Zusatz von Netzmittel (Ochsengalle) kann dies bei wässrigen Techniken wie Leim oder Tempera gemildert werden.
Die Römer kannten dieses Pigment bereits und bezeichneten es als Atramentum. Heute versteht man darunter etwas anderes. In der Renaissance waren zahlreiche Pflanzenschwarzsorten bekannt, so neben aus Reben gebranntem Schwarz auch solche aus Pfirsich- und Mandelkernen, Eichenrinde und anderen Pflanzenprodukten.
Quelle: "Chemie Lexikon" (vierte Auflage, 1958) von Dr. Hermann Rompp