
45700 Kobaltblau dunkel, Thénardsblau PB 74
In einer noch misslicheren Situation sind die Drucker, die alle Blaunuancen aus dem Cyanton erzielen müssen.
Hier ist man gezwungen, sich eines Tricks zu bedienen: Um der menschlichen Wahrnehmung möglichst gerecht zu
werden, wird für den Fall, dass Kobalt- oder Ultramarinblau im Druck wiedergegeben werden muss, mit
Magenta (Purpur) und Schwarz kombiniert, um Tiefe zu gewinnen. Dabei handelt es sich tatsächlich um einen tiefen Blauvioletton,
da durch den Purpur auch Rot enthalten ist.
Bleibt für den Maler als Fazit: Kobaltblau ist durch nichts zu ersetzen und wirkt natürlicher,
weicher und harmonischer als Ultramarinblau!
Seit kurzem ist eine neue Variante dieses klassischen Blautones unter der Bezeichnung "Kobaltblau dunkel - etwas heller und grünlicher" (45701) im Handel. Die neue Sorte unterscheidet sich nur geringfügig vom "Original" und bleibt letztendlich dem Geschmack des Anwenders überlassen, für welchen Ton er sich entscheidet. Früher, als es noch kaum weitere Kobaltpigmente - neben Kobalt-Coelinblau - gab, unterschied man noch die Nuancen Kobaltblau mittel und Kobaltblau hell. Damals besagte dies, dass es sich lediglich um ein und denselben Ton handelte, wo lediglich der Sättigungsgrad unterschiedlich war. Diese helleren Nuancen lassen sich ohne weiteres durch Weisszugabe zum dunklen Basiston ermischen. In den Künstlerfarbsortimenten wird bei Kobaltblau noch heute nach den alten Kriterien zwischen Kobaltblau hell und dunkel unterschieden, was aber im Prinzip dasselbe ist! Heute jedoch verfügen wir gerade bei Kobalt über eine ungeheure Vielzahl von neuen, chemisch abweichenden Pigmenten.
Die chemische Bezeichnung für klassisches Kobaltblau, früher auch Thénardsblau (nach seinem Erfinder) benannt, lautete früher Kobaltaluminat. Heute fasst man dieses Kobaltblau als Kobalt-Aluminium-Mischoxid auf. Die chemische Formel wird mit CoO·Al2O3 angegeben. Kobaltblau wird durch Glühen von Tonerde und Kobaltphosphat gewonnen und war somit das wahrscheinlich erste Mischoxidpigment. Die Firma Schmincke gibt für Kobaltblau dunkel der besten Ölfarbsorte "Mussini" an, dass hier als Pigment ein Kobalt-Zink-Silikat, bzw. ein Kobalt-Zink-Silizium-mischoxid vorliegt. Bezeichnet wird dieses Mischoxid als Blauer Phenazit, nach der mikrokristallinen Struktur. Der Farbton ist der gleiche wie beim sonst üblichen Kobalt-Aluminium-Oxid, welches zur Gruppe der Spinelle zählt. Entgegen allen heute sehr beliebten Unkenrufen, wonach man dazu neigt, alle künstlichen Metallverbindungen als "hochgiftige Schwermetalle" zu denunzieren, muss geast werden, dass alle Kobaltblaus aufgrund ihrer ungeheuren Stabilität völlig ungiftig sind! Die Ablehnung dieser gewisser Kreise Kobaltblau und anderer wichtiger Mineralpigmente ist viel mehr eine modische religiös-ökologische. Der einzig rationale Grund, der gegen die Anwendung von Kobaltblau spricht, ist der relativ hohe Preis, welcher aus der Tatsache resultiert, dass Kobalt verhältnismässig selten ist und eine grosse Rolle in der Rüstungsindustrie spielt!
Im Handel, vor allem in den Studiensortimenten, angebotener Kobalt-Ersatz ist auch nicht mehr, als das Wort besagt: Hierbei handelt es sich meistens um grünstichigere Ultramarintöne. Echtes Kobaltblau ist ein lasierendes Universalpigment von sprichwörtlicher Lichtechtheit und für alle Techniken ideal. Kobaltblau zählt zu den wenigen Künstlerpigmenten die übrigens auch in keramischen Techniken verwendet werden, man denke nur an blaues Porzellan oder blaue Wandfliessen! Wer sicher gehen möchte, ob es sich bei einem Pigment um echtes Kobaltblau handelt, der übergiesse es mit Salzsäure. Bei Kobaltblau-Ersatz tritt auffallender Schwefelwasserstoffgeruch auf.
Kobaltblau wurde erstmalig 1775 von Leithner dargestellt. Ein fabrikatorische Herstellung erfolgte erstmals 1804 durch Thénard. Das neu gewonnene Pigment konnte sich rasch in Künstlerkreisen verbreiten und die schon früher bekannte Smalte, ein fein gestossenes tiefblaues Kobalt-Farbglas, aber auch natürlichen Ultramarin verdrängen. Dass es heute leider nur in höchstwertigen Farbsortimenten anzutreffen ist, ist wie schon erwähnt, ein preisliches Problem. Heute handelt es sich bei Kobaltblau um ein sehr feines aber kristallines hartes Pulver. Neue Sorten erscheinen weicher als alte. Aufgrund seiner Beschaffenheit ist es äusserts mühselig, Kobaltblau in Öl anzureiben. Zunächst sollte man unbedingt ein möglichst niedrig-viskoses Öl, wie Mohnöl oder Sonnenblumenöl dem eher zähflüssigen Leinöl vorziehen. Die diesen Ölen eigene längere Trocknungszeit wird durch die katalytischen Eigenschaften des Kobalts ausgeglichen, ausserdem gilben diese Öle so gut wie nicht, was bei einem solchen Blauton sehr günstig wäre. Zunächst sollte man das Pigment mit Hilfe einer Spachtel gründlich mit dem Öl vermengen. Erfahrungsgemäss gibt man am Anfang zu viel Öl zu, so dass weitere Pigmentzugaben unerlässlich sind. Nach intensivem Durchwalken erhält man schliesslich eine kittartige tiefblaue Substanz. Von dieser arbeite man Stück für Stück kleine (!) Portionen mit dem Glasläufer durch, was eine ziemliche Knochenarbeit ist. Wenn man Pech hat, bekommt man eine dünnflüssige honigartige Substanz und man muss weiteres Pigment einarbeiten. Da ist es sehr hilfsreich, wenn man zur Konsistenzstabilisierung ein wenig Bienenwachspaste in Terpentinöl 1:1 zusetzt! Wem das gar zu mühselig ist, dem sei der sehr ähnliche Farbton Kobalt mittel deckend empfohlen. Lasuren sind allerdings damit nicht möglich, aber nicht ganz so schön, wie bei echtem Kobalt-Aluminat. In wässrigen Techniken hingegen ist die Herstellung von Kobaltblaufarbe recht einfach: Hier genügt ein Anspachteln.
In Öl bietet sich Kobaltblau zum einen für Lasuren an, zum anderen ist es unverzichtbar in der Landschaftsmalerei, wenn es darum geht,
einen authentischen Himmelblanatütuton zu erzielen. Besonders realistische Eindrücke erzielt man, wenn man Kobaltblau
mit Coelinblau oder gar Kobaltblau türkis hell kombiniert.
Ebensowenig ist Kobaltblau in wässrigen Techniken, man denke an die Aquarellmalerei, zur Darstellung von Luft unverzichtbar. Der Einsatz von
Ultramarinblau ergibt weniger natürliche Resultate, die härter, schwerer und plakativer wirken. Auch zum Erzielen
möglichst reiner Blauvioletttöne ist Kobaltblau besser geeignet als Ultramarin, wo man sehr düstere
gedrückte Farbtöne erhält.
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