
45210 Preussischblau, Pariserblau
Der reine Farbton diese Blaus dürfte wohl der dunkelste aller Buntfarben sein. An Sättigung wird selbst Heliogenblau übertroffen! Aus diesem Grunde ist der Vollton dieses grünstichigeren Blaues, den bislang jedes Kind aus dem Schulfarbkasten kennt, durch nichts zu imitieren. In Weissausmischungen ähnelt er in etwa einer entsprechenden Ausmischung von Heliogen- bzw. Phthaloblau, Mangan- oder Coelinblau. Hier muss jedoch betont werden, dass Weissausmischungen von Preussischblau drückender und schwerer wirken. Auch in dünnen Lasuren stellt sich heraus, dass Preussischblau stählerner im Ton wirkt, eine Nuance, die sich spielend aus Heliogenblau mit einer Spur Krapplack oder gebrannter Sienna erzielen lässt.
Preussischblau, Pariserblau, aber auch Antwerpener Blau, das sind Bezeichnungen für ein und dasselbe Pigment! Auch Miloriblau ist chemisch damit identisch, wird jedoch auf etwas andere Weise hergestellt und ist leichter zu verarbeiten, wie glich noch erläutert wird. Mancher kennt diesen Versuch aus dem Chemieunterricht oder von Experimenten, falls er früher einmal einen Chemiekasten besass. Man nimmt eine Lösung von Kaliumhexacyanoferrat mit der Formel K4(FeCN6) und versetzt diese mit einer Lösung von beispielsweise III-wertigem Eisenchlorid (FeCl3). Augenblicklich bildet sich ein tiefblauer Niederschlag von Fe4(FeCN6)3 bzw. Fe7(CN)18. Wird dieser Niederschlag abfiltriert, gewaschen, getrocknet und fein zermahlen hat man das fertige Pigment vorliegen. Grossindustriell gibt es jedoch andere Preisgünstigere Verfahren. Über die Entdeckung des Pariser- oder Preussischblau gibt es eine abenteuerliche Geschichte. Demnach soll im Jahre 1704 der Berliner Alchemist Diesbach auf der Suche nach künstlichem Karmin allerlei kuriose Zutaten, wie Tierblut, Kalisalz und die Eisenverbindung miteinander gekocht haben. Zu seiner Überraschung erhielt er nicht etwa ein Karmin, sondern jenes Blau, nach seiem Herkunftsort auch Berlinerblau genannt. Aufgrund dieser Mixtur auch der Name Blutlaugensalz für Kaliumhexacyanferrat. Als man bei späteren Analysen die Kohlenstoff-Stickstoffgruppe CN in dieser Verbindung entdeckte, gab man ihr den aus dem griechichschen von "kyanos" für Himmelbalu herrührenden Namen Cyan. Daher auch die Bezeichnung Cyankali (KCN) beispielsweise. Die an sich hochgiftige Cyangruppe CN ist hier allerdings sehr komplex und das Eisen gebunden, sodass Preussischblau völlig ungiftig und in jeder Hinsicht unbedenklich ist! Nach der vorhandenen Cyangruppe setzte sich schliesslich auch die Bezeichnung Eisencyanblau durch. In der Fachsprache der Drucktechniker bezeichnet man noch heute ein genormtes Blau, wie es für den Vierfarbendruck unverzichtbar ist als Cyan, da vor der Erfindung des besser geeigneten Pthalocyaninblaus für den Farbdruck ausschliesslich Preussischblau üblich war, ein Grund für die Tatsache, dass alte Vierfarbdrucke weniger farbgetreu als neuere sind.
Die Beständigkeit von Preussischblau ist nicht grenzenlos. Von alkalischen Bindemitteln wird es zersetzt und es bildet sich eine braune Eisenverbindung. Auch starke Säuren zerstören es. Daher ist dieses Blau nur für die Techniken der Tafelmalerei geeignet, in Caseintempera nur, wenn diese nicht alkalisch ist. Angeblich soll in Ausmischungen mit Zink- oder Titanweiss hauptsächlich in wässrigen Techniken eine Ausbleichung des Pigmentes möglich sein. Die Künstlerfarbhersteller tragen dem Rechnung, indem sie Preussischblau nur mit zwei Sternen kennzeichnen.
Was die Zubereitung von Farbe aus dem handlesüblichen Pigment betrifft, muss gesagt werden, dass dies äusserst mühselig ist. Ein Benetzen, wie bei organischen Pigmenten, nützt hier nicht viel. Nur stundenlanges Reiben unter dem Glasläufer oder im Porzellanmörser führt zum gewünschten Erfolg. Wird hingegen eine Preussischblaufarbe verarbeitet, die noch nicht völlig aufgeschlossen ist, stellt man fest, dass man einen schmutzigen, russig wirkenden Farbton vorliegen hat. Beim Vermalen mit einer helleren Mischfarbe kann man schliesslich beobachten, wie mehr und mehr blaue Pigmentpartikelchen aufzuplatzen scheinen und die Mischung immer dunkler färben. In der Tat ist die Färbekraft von Preussischblau immen und man tut gut, dies bei Mischungen vorsorglich zu berücksichtigen. Das unter der Bezeichnung Miloriblau gehandelte Pigment ist tonlich ein klein wenig in Richtung Kobaltblau verschoben und etwas einfacher anzureiben. Daher wird es von Künstlern, die sich ihre Farben selber herstellen, im allgemeinen dem Preussischblau vorgezogen.
Preussischblau entfaltet seine volle Schönheit in Lasuren, auch in Verbindung mit anderen Lasurtönen,
wie Krapplack oder Chromoxidhydratgrün. Mit Gelbtönen lassen sich sehr schöne warm wirkende
natürliche Grüntöne ermischen. Bei der Verwendung von Heliogen- bzw. Phthalocyaninblau,
welches haltbarer ist, hingegen, erzielt man leuchtendere Farbtöne. Zahlreiche fertige Mischgrüne
in Tuben enthalten als Komponente Preussischblau.
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