
21010 - 21070, 21350 Cadmiumgelb
Bei Cadmiumgelb handelt es sich um Cadmiumsulfid (CdS). Man kann Cadmiumgelb sehr leicht von anderen Gelbtönen dadurch unterscheiden, indem man bei Übergiessen einer kleinen Pigmentprobe mit Salzsäure Schwefelwasserstoffgeruch feststellt. Diese Gelb wird entweder als Fällungsprodukt durch Einleiten von Schwefelwasserstoff in eine Cadmiumsalzlösung oder durch Brennen verschiedener cadmium- und schwefelhaltiger Substanzen gewonnen. Bedingt durch die unterschiedlichen Herstellungsmethoden, sowie durch die mikrokristalline Beschaffenheit ergeben sich die unterschiedlichen Nuancierungen. Alle Tönungen bis auf die zitronengelben sind hervorragend lichtecht. Die zitronengelben Nuancen verfügen trotzdem über eine Beständigkeit, die in der Praxis völlig ausreichend ist! Von der Industrie werden allerdings auch Cadmiumgelbsorten hergestellt, die mit Schwerspat oder Zinksulfid gestreckt sind. So hatte Anfang der siebziger Jahre eine namhafte deutsche Künstlerfarbenfabrik ihre ohnehin schon extrem teure Cadmiumpigmente mit Schwerspat gestreckt, was zur Folge hatte, dass man bei der Selberherstellung von Farbe niemals an den Fabrikton heranreichen konnte. Es bedarf wohl keiner weiteren Erklärungen, dass für künstlerische Zwecke nur völlig reine Pigmente in Frage kommen!
In Zeiten wachsenden ökologischen Bewusstseins war zunehmend die Rede von Umweltverschmutzung durch giftige Schwermetalle wie Blei und Cadmium. So wurde von einigen ernsthaft erwogen, auf die Herstellung dieser wichtigen Farbe zu verzichten und im Handel befindliche cadmiumhaltige Produkte wurde in einer wahren Panik als giftig und krebserregend eingestuft. Tatsache aber ist, dass alle Cadmiumpgimente chemisch derart stabil sind, dass keinerlei giftige lösliche Cadmiumverbindugnen in den Naturkreislauf gelangen können, sofern die Pigmente nicht durch Säuren oder Hitze zerstört werden. Glücklicherweise hat man dies eingesehen und auf übertriebene Warnungen verzichtet.
Cadmiumgelb ist ein sehr feines weiches Pulver, welches sich mühelos zu
Farbe verarbeiten lässt. Es ist für alle Techniken bestens geeignet, mit
Ausnahme von Aussenarbeiten, wo es durch Bildung von Cadmiumcarbonat ausbleichen kann.
Die Cadmiumgelbtöne sind im allgmeinen hervorragend
deckend, die Zitron- und die Orangetöne decken ausreichend. Aufgrund der
Kornfeinheit lassen sich alle Cadmiumgelbtöne auch ausgezeichnet in
Aquarelltechniken nutzen. Wie schon erwähnt lässt sich Cadmiumgelb
mühelos mit einer Spachtel mit Bindemittel anteigen. Will man
Cadmiumgelb zu Ölfarbe verarbeitet in Tuben abfüllen, ist es ratsam, mit
dem Glasläufer anzureiben und etwas Bienenwachs in Terpentinöl 1:2
zuzugeben, da sich die Farbe bei längerer Lagerung gerne absetzt. Als Öl
empfiehlt Wehlte Mohnöl, aber auch andere maltechnologisch
erprobte Öle
sind geeignet. Cadmiumgelb zählt mittlerweile zu den Klassikern unter
den Künstlerfarben. Es wurde vermutlich erstmalig in der Mitte des
vorigen Jahrhunderts in Frankreich hergestellt und war ein willkommener
Ersatz für das (damals) unbeständige aber billigere Chromgelb. In
Deutschland wird es fabrikatorisch seit 1925 hergestellt. Einziger
deutlicher Nachteil dieser Farbe ist der verhältnismässig hohe Preis. Da
organische Pigmente zwar koloristisch dem Cadmiumgelb entsprechen
können, aber vor allem im Reinzustand eher lasierend sind, gibt es für
diese Farbe genau genommen keinen akzeptable Ersatz, auch wenn moderne
und preiswerte Chromgelbpigmente inzwischen gleichfalls über
ausreichende Lichtbeständigkeit verfügen. Diese sind allerdings blei-
und chromathaltig und somit gesundheitlich wie ökologisch nicht
unbedenklich. Der Künstler sollte sich allerdings fragen, ob er
wirklich für jeden Mischton unbedingt eine relativ teure Farbe benötigt.
Oft erzielt man beispielsweise wunderbare Nuancen durch die Verwendung von
Nickeltitangelb oder Titanorange.
Ein strahlender Abendhimmel oder eine
Blumenwiese hingegen ist ohne Cadmiumfarbe nur halb so überzeugend
darzustellen!
Werden Cadmiumverbindungen verbrannt, entsteht das leicht wasserlösliche Cadmiumoxid, welches sehr giftig ist.
Merke: Cadmiumverbindungen werden beim Verbrennen sehr giftig!
Siehe auch allgemeine Information zu Cadmiumfarben, Cadmiumverbindungen, Cadmiumrot.
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