
12000 Elfenbeinschwarz echt PBk 9
Chemische Zusammensetzung: verkohltes Elfenbein, kohlehaltiges Kalziumphosphat
Bei einem reinen Elfenbeinschwarz handelt es sich um ein tiefdunkles Pigment, welches mit Weiss gemischt einen leichten Blaustich ergeben sollte. Neben Lampenschwarz (Flammruss) stellt Elfenbeinschwarz das deckkräftigste und tiefste Kohlenstoffschwarz überhaupt dar.
Echtes Elfenbeinschwarz wird etwa seit Ende des II. Weltkrieges nicht mehr in nennenswertem Umfang hergestellt, sieht man einmal von der Produktion der Firma Kremer Pigmente in Aichstetten ab. Unter Elfenbeinschwarz sin irritirenderweise allerlei Sorten im Handel, bei welchen es sich jedoch zumeist um Knochenkohle handelt! Echtes Elfenbeinschwarz hingegen wurde ausschliesslich aus Elfebeinabfällen gewonnen. Diese wurden in eiserne Töpfe geschichtet, luftdicht verschlossen und dann bei ca. 800° C gebrannt. Der Rückstand war schliesslich eine reine Tierkohle mit geringen Verunreinigungen an Phosphat und unter Umständen anderen Salzen. Höchstwertige Sorten wurden erzielt, nachdem man die löslichen Salze sorgfältig ausgewaschen hatte. Bei Fehlbränden aufgrund falscher Temperatur oder Brenndauer wies die Kohle einen mehr oder weniger deutlichen Braunstich auf. Nach dem Feinmahlen des Pigments wurde dieses zur Staubvermeidung in 8 mm grosse Hütchen gepresst. Echtes Elfenbeinschwarz war also damals zumeist schon an seiner charakteristischen Form zu erkennen. Vom heute üblichen Beinschwarz ist es bei mikroskopischer Untersuchung an der typischen Kohlenstoffmatrix zu unterscheiden.
Hauptgrund für den drastischen Rückgang des Elfenbeinschwarz war die zunehmende Verwendung von Kunststoffprodukten, schliesslich erschwerten die Bestimmungen des Artenschutzes die Beschaffung von echten Elfenbeinabfällen.
Grösste Bedeutung hat Elfenbeinschwarz heute bei der Gemälderestaurierung. Der interessierte
Künstler kann diese Pigment praktisch in allen Techniken der Tafelmalerei verwenden, wegen der möglichen
Gefahr von Phosphorausblühungen wird allerdings vor einer Verwendung auf der Wand gewarnt.
Als Kohlenstoffpigment handelt es sich in Öl um einen schlechten Tockner. Aus diesem Grunde wird das
schneller trocknende Leinöl empfohlen, ggf. mit geringem Zusatz an Kobaltsikkativ. In Aquarelltechnik
sind trotz der eher deckenden Pigmenteigenschaften zwar Lasuren möglich, aber diese wirken zumeist leicht
schmutzig! Interessant ist der Einsatz in Eitempera. Durch Firnissen lässt sich technisch das tiefste
denkbare Schwarz überhaupt darstellen! Ein Ölauftrag im Vergleich lässt diesen verhältnismässig grau
erscheinen. Wer allerdings das moderne Spinellschwarz kennt, ist bezüglich der Deckfähigkeit leicht enttäuscht.
In Temperatechnik auf weissem Untergrund müssen zumeist zwei Farbschichten übereinander aufgetragen werden, um eine
gleichmässige Tiefe zu erzeugen.
Als Kohlenstoffpigment ist zudem ein sehr sorgfältiges Anreiben erforderlich. Beim Mischen mit Mineralpigmenten setzt sich der Kohlenstoff gerne ab. Durch Zugabe von einigen Tropfen Netzmittel (z.B. Ochsengalle) kann man das Problem verringern. Mit den durchweg leichten organischen Farbstoffen lässt sich Elfenbeinschwarz besser mischen.
Gebranntes Bein und gebranntes Elfenbein sind seit altersher für ihre besondere Schwärze berühmt. Das Rohmaterial wurde früher aus Afrika oder Indien importiert. Durch die Artenschutzgesetzgebung bestehen heute nur noch Altbestände an Elfenbeinschwarz. Mit neuen Einfuhren ist in absehbarer Zeit nicht zu rechnen.
Elfenbeinschwarz ist besonders zur Verarbeitung in Wasser- und Ölfarben geeignet.
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