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10100 & 10110 Bleizinngelb (Typ I), lead-tin yellow (type I), Bleistannat



Chemische Zusammensetzung : Pb2SnO4

Bleizinngelb war lange vor der Erfindung des Neapelgelb ein Nebenprodukt aus der Herstellung von weissen Überfangglasuren in der Keramik oder der Glasherstellung. Wegen seiner hervorragenden Lichtechtheit und hohen Beständigkeit war es sehr weit verbreitet. Auch wenn seine Herstellung lange verborgen war und das Bleizinngelb für eine Art Neapelgelb gehalten wurde, ist Bleizinngelb eine eigenständige Farbe.

Bleizinngelb (Typ I) wird durch Hochtemperatur-Festkörperreaktion zwischen Bleioxid und Zinnoxid hergestellt.

Je nach Mengenverhältnis von Blei- und Zinnoxiden, sowie der angewandten Temperatur und Dauer der Temperatureinwirkung erhält man verschiedene Gelbtöne.

1940 wurde Bleizinngelb durch Untersuchungen an alten Gemälden von Jacobi wieder entdeckt. Zuvor hielt De Wild (1929) die hellgelben Farbpartien auf Gemälden aus dem 15., 16. und 17. Jahrhundert für Bleioxidgelb, da er nur den Bleigehalt untersuchte und Bestätigung für dessen Nachweis durch Hinweise auf den Terminus massicot in alter Literatur (z.B. de Mayerne, 1620) fand. Heutzutage wird Massicot nur noch für das gelbe Bleioxidpigment verwendet.

Über das Thema der gleichzeitigen Verwendung von Bleizinngelb mit Neapelgelb oder einem möglichen gelben antimonhaltigen Bleizinngelb gibt es momentan weitere Forschungen.

Bleizinngelb enthält Blei und ist giftig!


Lichtechtheitsprüfung an Bleistannat

Von Dr.-Ing. E. Denninger, Institut für Technologie der Malerei, Stuttgart
Erschienen in "Maltechnik" (Beilage zur Zeitschrift "Die Mappe", 1955)

In einer im Jahre 1941 erschienen Arbeit:"Über den in der Malerei verwendeten Farbstoff der Alten Meister"1 konnte R. Jacobi durch Spektralanalyse nachweisen, dass das vom 15. bis 17. Jahrhundert verwendete zitronen- bis kanarigelbe Pigment eine Bleizinnverbindung ist. Da dieses Pigment, das seine grosse Leuchtkraft durch die Jahrhunderte gut beibehalten hat, auch heute noch, insbesondere von seiten der Bildrestauratoren gefragt ist, unternahmen wir es, dieses Bleistannat nach den Angaben Jacobis darzustellen und die so gewonnenen Präparate auf ihre Lichtechtheit zu prüfen. Kontrollversuche der Lichtechtheitsprüfungen, insbesondere im UV-Licht, wurden beim Doerner-Institut, München, durchgeführt. Die Farbmessungen wurden nach DIN 5033 mit den Orginalfarbtonfolien der "Deutschen Farbenkarte" von Professor Dr. habil. Richter und dem Pulfrich-Photometer vorgenommen. Sie wurden im Institut für Pigmente und Lacke, Stuttgart, ausgeführt.

Die Synthese des Bleistannates erfolgt durch Erhitzen einer innigen Mischung reiner Bleimennige mit reinem Zinnoxid im Verhältnis von 3 Gewichtsteilen Bleimennige zu 1 Gewichtsteil Zinnoxid. Nach Feinmahlung in der Porzellankugelmühle wurde das Gemisch in Tongefässen im elektrischen Widerstandsofen auf verschiedene Temperaturen zwischen 600 und 800° C erhitzt. Je nach der angewandten Menge muss die Temperatur so lange gehalten werden, bis die ganze Masse die genau einzuhaltende Temperatur erreicht hat. Da der Farbton wesentlich von der Temperatur abhängt, worauf schon Jacobi ausdrücklich hinweist, wurde eine Reihe von Präparaten angefertigt, wobei die Temepratur von 600° C um je 50° C je Präparat gesteigert wurde. Schliesslich wurde noch ein Präparat bei 725° C erbrannt, das ein rein kanarigelbes Pigment lieferte. Der zusammengebackene Reaktionskuchen muss nach sorgfältiger Loslösung vom Tontiegel in der Porzellanmühle feingemahlen werden. Die Pigmentproben wurden zur Lichtechtheitsprüfung mit Glutolin auf Gipskreidegrund gestrichen. Zur Lichtechtheitsprüfung wurden herausgezogen:

Probe A (bei 600° C gebr.): orangef. Pulver;
Probe B (bei 725° C gebr.): kanarig. Pulver;
Probe C (bei 800° C gebr.): zitronenf. Pulver;
Probe D Neapelgelb (als Vergleichspigment).

1. Bestrahlung im Sonnenlicht
Die Aufstriche wurden in der Zeit vom 13. Mai 1954 bis 30. Oktober 1954 unter Glas dem Sonnenlicht ausgesetzt, und zwar wurden mit dem Lichtsummenmesser nach Neugebauer insgesamt 3.773.000 Luxustunden gemessen. Dabei zeiget sich das, dass dem Augenschein nach keine der Proben eine Farbveränderung erlitten hat. Dasselbe Ergebnis hatten die Kontrollversuche.

2. Bestrahlung im ultravioletten Licht
Eine hunderstündige Bestrahlung im UV-Licht ergab gleichfalls keine augenscheinliche Veränderung der Farbproben.

DIN-Werte unbelichtet
Probe Farbton Sättigungsstufe Dunkelstufe
A 2,9 3,8 0,60
B 1,2 4,0 0,43
C 1,0 2,5 0,39
D 1,4 5,1 0,55

1. DIN-Werte nach Bestrahlung mit Sonnenlicht
A nicht gemessen
B 1,3 3,7 0,47
C 1,0 2,4 0,44
D 1,4 5,1 0,32

2. DIN-Werte nach Bestrahlung mit UV-Licht
A 3,1 3,3 0,73
B 1,3 3,6 0,48
C 1,0 2,6 0,48
D nicht gemessen

Als Egebnis der Untersuchungen kann zusammengefasst gesagt werden, dass die Lichtechtheit des bei 725 bzw. 800° C hergestellten Bleistannats sowohl im Sonnenlicht als auch im UV-Licht gut ist.

Siehe auch Bleizinngelb Typ II.

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